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WOCHENAUSBLICK: Dax muss sich auf hohem Niveau behaupten - Geldpolitik im Fokus

FRANKFURT (dpa-AFX) - Nach dem Sprung zurück über die 26.000-Punkte-Marke muss sich der Dax in der neuen Woche auf hohem Niveau behaupten. Zwar gilt der September als traditionell eher schwacher Börsenmonat, aus Sicht der Experten von Index Radar zeigen die Kurse bislang aber mehr Widerstandskraft, als es der saisonale Fahrplan vermuten lasse.

Der überraschend robuste US-Arbeitsmarktbericht für August sorgte nicht für größere Zinsängste. Nun warten die Anleger auf frische Inflationsdaten aus den USA und die Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB). Zusätzlich zur großen geopolitischen Bühne im Iran-Krieg dürfte sie außerdem die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt beschäftigen.

Von seinem Ende August erreichten Rekordhoch bei 26.618 Punkten hatte sich der Dax zwischenzeitlich knapp 900 Zähler entfernt. Der deutsche Leitindex konnte sich vor dem Wochenende aber wieder über der psychologisch wichtigen Marke von 26.000 Punkten festsetzen. "Auch wenn Anleger den Sorgencocktail aus geo- und geldpolitischen Unwägbarkeiten offensichtlich fürs Erste haben abschütteln können, dürfte die Gemengelage fragil bleiben", gab CapTrader-Chefmarktanalyst Timo Emden zu bedenken.

Die Stimmung der Anleger hing zuletzt vor allem an der Entwicklung der Ölpreise infolge des wieder aufflammenden Iran-Kriegs. "Nach den jüngsten Aussagen des US-Präsidenten und seines Vizes gibt es eine gewisse Hoffnung, dass die aktuelle Eskalation zeitlich begrenzt bleibt", schrieb Portfoliomanager Thomas Altmann von QC Partners. Die Preise für Öl und Gas hatten sich daraufhin auf hohem Niveau stabilisiert. Nun müsse sich laut Altmann aber zeigen, ob es im Dax oberhalb der 26.000 Punkte weitere Käufer gibt oder ob erneute Gewinnmitnahmen einsetzen.

Neben der Geopolitik rücken dabei auch die Landtagswahlen in den Blick. Bei der Wahl in Sachsen-Anhalt dürfte die AfD am Sonntag als klarer Sieger hervorgehen. "Es könnte also eine Partei an die Macht kommen, deren Grundsatzprogramm für Deutschland vor isolationistischen Forderungen strotzt: raus aus dem Euro, die EU komplett umformen, Remigration veranlassen, mehr nationale Wagenburg", mahnte Moritz Kraemer, Chefvolkswirt der Landesbank Baden-Württemberg. "Für eine vom Außenhandel derart abhängige Volkswirtschaft wie Deutschland ist das Harakiri."

Highlight der Woche dürfte aber die Zinssitzung der Europäischen Zentralbank am Donnerstag sein. "Eine Zinserhöhung der EZB um 0,25 Prozentpunkte auf 2,5 Prozent ist inzwischen weitgehend Konsens", stellte Edgar Walk, Chefvolkswirt von Metzler Asset Management, fest. Spannender sei die Frage, was danach kommt. Walk hält einen weiteren Zinsschritt im Dezember für durchaus wahrscheinlich.

"Die jüngsten positiven Konjunkturdaten bieten zusätzlichen Spielraum für eine weitere Straffung", schrieb Ulf Krauss von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Eckhard Schulte von MainSky Asset Management warnte jedoch, dass weitere Zinsschritte über den September hinaus wohl das Ende der gerade einsetzenden zyklischen Erholung der Euro-Konjunktur bedeuten würden.

Noch spannender bleibt für die Anleger die nächste Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed in der Folgewoche. Ein Fed-Mitglied stellte kürzlich klar, dass die Entscheidung von den am kommenden Freitag anstehenden Inflationsdaten "stark beeinflusst" werde. Die Daten werden damit zum entscheidenden Wegweiser für die weitere Zinsentwicklung in den USA, unterstrich Kapitalmarktstratege Jürgen Molnar vom Broker Robomarkets.

Aus Sicht von Consorsbank-Chefmarktanalyst Jochen Stanzl dürften die Verbraucherpreise sogar etwas mehr Bedeutung haben als die am Freitagnachmittag veröffentlichten Arbeitsmarktdaten, die den Dax kaum bewegten.

Stanzl bezeichnete die Fed darüber hinaus als Unsicherheitsfaktor für die Märkte: "Nicht ihre Worte, sondern erst ihre Taten werden zeigen, wie ernst sie es mit der Inflationsbekämpfung meint." Bisher redete die Fed um den heißen Brei herum. "Immer, wenn es ernst wird, findet sie Ausflüchte, um vielleicht doch noch weiter abzuwarten." Der Renditeanstieg in der zurückliegenden Woche zeige, wie wenig dem Markt die Perspektive auch nur einer einzigen Zinserhöhung zu schmecken scheint. Das habe die Fed erkannt und in der Folge entspanntere Zinssignale gesendet.

Bereits vor den US-Verbraucherpreisdaten stehen am Donnerstag auch die Erzeugerpreise auf der Agenda. Zunächst startet die Woche in den Vereinigten Staaten aber mit dem "Labor Day" - also einem Feiertag, an dem die US-Börsen geschlossen bleiben.

Hierzulande könnten am Montag die deutsche Industrieproduktion im Juli und der Sentix-Konjunkturindex Beachtung finden. Dieser verrät laut Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater, ob sich die Wirtschaft weiterhin trotz aller strukturellen Hemmnisse in einer Erholungsphase befindet. Unternehmenstermine stehen nur wenige auf der Agenda./niw/la/zb

--- Von Nicklas Wolf, dpa-AFX ---