WOCHENAUSBLICK: Dax dürfte weiter am Ãlpreis hängen
FRANKFURT (dpa-AFX) - Auch in der neuen Woche liegt der Fokus der Anleger auf dem Iran-Krieg. Der Dax dürfte weiterhin an die Entwicklung der Ãlpreise gekoppelt sein. In diesem geopolitisch angespannten Umfeld entscheiden sowohl die US-Notenbank Fed als auch die Europäische Zentralbank (EZB) über die Leitzinsen. Zusätzlich zu wichtigen Konjunkturdaten wie dem ZEW-Index geht auÃerdem die Berichtssaison weiter, maÃgeblich bei den Nebenwerten.
Am deutschen Aktienmarkt geht zunehmend die Sorge vor einer Stagflation um, also stagnierendes oder sinkendes Wirtschaftswachstum bei gleichzeitig steigender Inflation. "Weiter steigende Energiepreise werden zu einer echten Bewährungsprobe für Inflation und Wachstum", fasste Chef-Marktanalyst Andreas Lipkow vom Broker CMC Markets die Lage zusammen. Die Hoffnung auf einen nur kurz andauernden Krieg im Iran bekommt immer mehr Risse. Die für den Ãl- und Gashandel so wichtige StraÃe von Hormus könnte längerfristig in gröÃerem Umfang blockiert bleiben.
Rund ein Fünftel des weltweiten Ãlverbrauchs werde normalerweise durch diese Meerenge südlich des Iran transportiert, rechnete Anlagestratege Mark Dowding von RBC BlueBay Asset Management vor. Allerdings seien auch 20 Prozent der weltweiten Flüssiggasexporte, 25 Prozent der Düngemittelexporte und sogar 35 Prozent der Harnstoffexporte betroffen. "In Bezug auf die Inflation kommt es vor allem darauf an, wie lange der Handel beeinträchtigt sein wird und inwieweit es möglich ist, Waren über andere Transitpunkte umzuleiten", schrieb Dowding.
Jüngst bewegten sich die Ãlpreise rund um die 100-Dollar-Marke. Lang anhaltende Preise darüber würden dazu führen, dass die Konjunkturprognosen etwa um einen halben Prozentpunkt zurückgenommen werden müssen, schrieb DekaBank-Chefvolkswirt Ulrich Kater. "Dies wäre kein Zusammenbruch der Wirtschaft, wohl aber eine erhebliche Hypothek für Wachstum und Konsum."
Bei einer Ãlkrise mit Preisen über 150 Dollar hält Kater eine Rezession für wahrscheinlich. Noch sei dies nur ein Szenario, die Nachrichtenlage rund um das Thema dürfte aber zu anhaltenden Kursschwankungen an der Börse führen.
Der Blick in die Vergangenheit macht Aktienstratege Uwe Streich von der Landesbank Baden-Württemberg wenig Mut: "Auf frühere Ãlpreisschocks folgten zumeist Rezessionen." Und: "Mit jeder Woche, die dieser Zustand anhält, dürften die ökonomischen Kosten exponentiell steigen, weshalb sich die Anleger auf weiterhin schwierige Tage und vermutlich auch temporär niedrigere Kurse einstellen sollten", so Streich mit Blick auf die Situation in der StraÃe von Hormus.
Gleichwohl gab es vor dem Wochenende Anzeichen einer womöglich leichten Entspannung am Ãlmarkt. Für Gesprächsstoff sorgte die Erlaubnis der USA, dass Länder zeitweise russisches Ãl kaufen dürfen, das sich bereits auf Schiffen befindet. AuÃerdem berichtete die "Financial Times", dass Frankreich und Italien das Gespräch mit Teheran suchen, um eine sichere Passage durch die StraÃe von Hormus zu erreichen.
Der Dax hat seit Ausbruch des Iran-Kriegs vor rund zwei Wochen um mehr als sechs Prozent nachgegeben und war zeitweise unter die runde Marke von 23.000 Punkten gerutscht. Zuletzt konnte sich der deutsche Leitindex aber wieder etwas stabilisieren. "Er lässt sich aktuell nicht weiter die Butter vom Brot nehmen", stellte Analyst Frank Sohlleder vom Broker ActivTrades fest. Wie lange die charttechnische Unterstützung bei 23.300 Punkten hält, entscheide momentan allerdings allein die Weltpolitik.
Auch die anstehenden Zinsentscheidungen dürften ganz im Zeichen des Iran-Kriegs stehen. Eckhard Schulte von MainSky Asset Management erwartet zwar weder am Mittwoch bei der US-Notenbank Fed noch am Donnerstag bei der Europäischen Zentralbank einen Zinsschritt. Der Markt wolle aber wissen, wie die beiden Notenbanken mit dem zu erwartenden "Inflationsbuckel" in diesem Frühjahr umgehen wollen. Sollte der Iran-Krieg nicht allzu lange dauern, bleiben weitere Leitzinssenkungen im Jahresverlauf für Robert Greil, Chefstratege der Privatbank Merck Finck, nach wie vor das Basisszenario.
Aus Sicht der Experten von Index Radar ist die Wahrscheinlichkeit weiterer Zinsschritte der EZB gestiegen, während die Erwartungen an Zinssenkungen der Fed weiter zurückgegangen seien. Diese Verschiebung spiegele sich auch am Anleihemarkt wider, wo die Renditen steigen. So würden neben den nach oben schnellenden Energiekosten auch höhere Finanzierungskosten zu einer groÃen Belastung für Unternehmen - "und damit zum zweiten groÃen Risiko für die Aktienkurse", kommentierte Portfoliomanager Thomas Altmann von QC Partners.
Auf Unternehmensseite geht derweil die Saison der Geschäftsberichte in die nächste Runde. Neben vielen Jahreszahlen von Nebenwerten aus MDax und SDax öffnet am Donnerstag mit Vonovia auÃerdem noch ein Dax-Konzern die Bücher. Am Freitag plant derweil der Rüstungszulieferer Vincorion sein Börsendebüt. Zum Wochenschluss könnte auch noch der groÃe Verfallstag an den Terminbörsen für spürbare Kursbewegungen sorgen.
Aktuelle Konjunkturdaten dürften angesichts des Iran-Kriegs dagegen etwas in den Hintergrund treten. Das Stimmungsbarometer des Forschungsinstituts ZEW könnte am Dienstag aber bereits eine Tendenz zu den künftigen Wachstumsaussichten liefern. Metzler-Chefvolkswirt Edgar Walk geht von einem merklichen Rücksetzer für den ZEW-Index aus. Dieser hatte sich bereits im Februar überraschend eingetrübt./niw/bek/ms
--- Von Nicklas Wolf, dpa-AFX ---
FRANKFURT (dpa-AFX) - Auch in der neuen Woche liegt der Fokus der Anleger auf dem Iran-Krieg. Der Dax
Am deutschen Aktienmarkt geht zunehmend die Sorge vor einer Stagflation um, also stagnierendes oder sinkendes Wirtschaftswachstum bei gleichzeitig steigender Inflation. "Weiter steigende Energiepreise werden zu einer echten Bewährungsprobe für Inflation und Wachstum", fasste Chef-Marktanalyst Andreas Lipkow vom Broker CMC Markets die Lage zusammen. Die Hoffnung auf einen nur kurz andauernden Krieg im Iran bekommt immer mehr Risse. Die für den Ãl- und Gashandel so wichtige StraÃe von Hormus könnte längerfristig in gröÃerem Umfang blockiert bleiben.
Rund ein Fünftel des weltweiten Ãlverbrauchs werde normalerweise durch diese Meerenge südlich des Iran transportiert, rechnete Anlagestratege Mark Dowding von RBC BlueBay Asset Management vor. Allerdings seien auch 20 Prozent der weltweiten Flüssiggasexporte, 25 Prozent der Düngemittelexporte und sogar 35 Prozent der Harnstoffexporte betroffen. "In Bezug auf die Inflation kommt es vor allem darauf an, wie lange der Handel beeinträchtigt sein wird und inwieweit es möglich ist, Waren über andere Transitpunkte umzuleiten", schrieb Dowding.
Jüngst bewegten sich die Ãlpreise rund um die 100-Dollar-Marke. Lang anhaltende Preise darüber würden dazu führen, dass die Konjunkturprognosen etwa um einen halben Prozentpunkt zurückgenommen werden müssen, schrieb DekaBank-Chefvolkswirt Ulrich Kater. "Dies wäre kein Zusammenbruch der Wirtschaft, wohl aber eine erhebliche Hypothek für Wachstum und Konsum."
Bei einer Ãlkrise mit Preisen über 150 Dollar hält Kater eine Rezession für wahrscheinlich. Noch sei dies nur ein Szenario, die Nachrichtenlage rund um das Thema dürfte aber zu anhaltenden Kursschwankungen an der Börse führen.
Der Blick in die Vergangenheit macht Aktienstratege Uwe Streich von der Landesbank Baden-Württemberg wenig Mut: "Auf frühere Ãlpreisschocks folgten zumeist Rezessionen." Und: "Mit jeder Woche, die dieser Zustand anhält, dürften die ökonomischen Kosten exponentiell steigen, weshalb sich die Anleger auf weiterhin schwierige Tage und vermutlich auch temporär niedrigere Kurse einstellen sollten", so Streich mit Blick auf die Situation in der StraÃe von Hormus.
Gleichwohl gab es vor dem Wochenende Anzeichen einer womöglich leichten Entspannung am Ãlmarkt. Für Gesprächsstoff sorgte die Erlaubnis der USA, dass Länder zeitweise russisches Ãl kaufen dürfen, das sich bereits auf Schiffen befindet. AuÃerdem berichtete die "Financial Times", dass Frankreich und Italien das Gespräch mit Teheran suchen, um eine sichere Passage durch die StraÃe von Hormus zu erreichen.
Der Dax hat seit Ausbruch des Iran-Kriegs vor rund zwei Wochen um mehr als sechs Prozent nachgegeben und war zeitweise unter die runde Marke von 23.000 Punkten gerutscht. Zuletzt konnte sich der deutsche Leitindex aber wieder etwas stabilisieren. "Er lässt sich aktuell nicht weiter die Butter vom Brot nehmen", stellte Analyst Frank Sohlleder vom Broker ActivTrades fest. Wie lange die charttechnische Unterstützung bei 23.300 Punkten hält, entscheide momentan allerdings allein die Weltpolitik.
Auch die anstehenden Zinsentscheidungen dürften ganz im Zeichen des Iran-Kriegs stehen. Eckhard Schulte von MainSky Asset Management erwartet zwar weder am Mittwoch bei der US-Notenbank Fed noch am Donnerstag bei der Europäischen Zentralbank einen Zinsschritt. Der Markt wolle aber wissen, wie die beiden Notenbanken mit dem zu erwartenden "Inflationsbuckel" in diesem Frühjahr umgehen wollen. Sollte der Iran-Krieg nicht allzu lange dauern, bleiben weitere Leitzinssenkungen im Jahresverlauf für Robert Greil, Chefstratege der Privatbank Merck Finck, nach wie vor das Basisszenario.
Aus Sicht der Experten von Index Radar ist die Wahrscheinlichkeit weiterer Zinsschritte der EZB gestiegen, während die Erwartungen an Zinssenkungen der Fed weiter zurückgegangen seien. Diese Verschiebung spiegele sich auch am Anleihemarkt wider, wo die Renditen steigen. So würden neben den nach oben schnellenden Energiekosten auch höhere Finanzierungskosten zu einer groÃen Belastung für Unternehmen - "und damit zum zweiten groÃen Risiko für die Aktienkurse", kommentierte Portfoliomanager Thomas Altmann von QC Partners.
Auf Unternehmensseite geht derweil die Saison der Geschäftsberichte in die nächste Runde. Neben vielen Jahreszahlen von Nebenwerten aus MDax
Aktuelle Konjunkturdaten dürften angesichts des Iran-Kriegs dagegen etwas in den Hintergrund treten. Das Stimmungsbarometer des Forschungsinstituts ZEW könnte am Dienstag aber bereits eine Tendenz zu den künftigen Wachstumsaussichten liefern. Metzler-Chefvolkswirt Edgar Walk geht von einem merklichen Rücksetzer für den ZEW-Index aus. Dieser hatte sich bereits im Februar überraschend eingetrübt./niw/bek/ms
--- Von Nicklas Wolf, dpa-AFX ---