ROUNDUP/Schwesig vs. Holm: So lief das TV-Duell
SCHWERIN (dpa-AFX) - Vier Tage vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern haben sich die SPD-Kandidatin Manuela Schwesig und ihr AfD-Kontrahent Leif-Erik Holm in einem Fernsehduell teils hitzige Wortgefechte geliefert. In der Livesendung des NDR warfen sich die amtierende Ministerpräsidentin und ihr Herausforderer gegenseitig Täuschung und Angstmache vor. Eine Stunde lang stritten sie unter anderem über Bildungspolitik, Wirtschaftsförderung, Migration und Gesundheitspolitik.
Ãhnlich klangen sie eigentlich nur in einem Punkt: "Ich möchte ganz klar stärkste Kraft werden", sagte Schwesig. Und Holm: "Wir möchten stärkste Kraft werden."
Die Ausgangslage
Der 56-jährige Holm fordert Schwesig nicht nur im Rennen um das Amt des Ministerpräsidenten heraus, sondern auch in ihrem Wahlkreis Schwerin I. Schwesig, 52, ist seit 2017 Regierungschefin des Bundeslands. In Umfragen liegt seit Monaten die AfD vorn, doch Schwesigs SPD hat Boden gutgemacht. In einer Insa-Umfrage im Auftrag der "Bild"-Zeitung kam die AfD zuletzt auf 37 Prozent, die SPD auf 35. Gewählt wird am Sonntag.
Die Topthemen
Das TV-Duell startete mit dem zentralen Thema des Wahlkampfs und der Landespolitik: Bildung. Holm kritisierte den häufigen Unterrichtsausfall und kündigte an, 400 Lehrer aus Behörden in den Schuldienst zu versetzen. Schwesig räumte ein, dass auch sie mit dem Unterrichtsausfall unzufrieden sei. Dafür lobte sie sich selbst noch einmal für die Beitragsfreiheit in Kitas.
Weiter ging es mit Fragen zur wirtschaftlichen Entwicklung. "Ich bin selber Ãkonom", warb Holm für sich. Sein Konzept: die Steuer- und Abgabenlast senken und Unternehmern den "roten Teppich ausrollen". Schwesig konterte kühl, das sei alles sehr allgemein, sie aber handle konkret. Ihr Beispiel: Konverterplattformen, in die Milliardenbeträge investiert würden.
Beim Thema Migration ging es um einen marokkanischen Bauzeichner, der so oft angefeindet wurde, dass er nun eine Auszeit nimmt - was seinem Arbeitgeber Sorge macht, einen guten Mitarbeiter zu verlieren. Schwesig warf der AfD "Hass und Hetze" vor. Holm konstatierte hingegen ein "Versagen der Politik" und sagte: "Das ist natürlich schade, dass es eine solche Stimmung gibt." Würden illegale Einwanderer konsequent abgeschoben, werde auch die Ausländerfeindlichkeit zurückgehen, sagte der AfD-Politiker.
Die Tonlage
Bei einem ersten TV-Duell der beiden vor einer Woche, veranstaltet damals von n-tv und dem Radiosender Ostseewelle, war Schwesig mit einer aggressiven Tonlage aufgefallen. Holm agierte defensiver und versuchte, sich als moderat darzustellen.
Diesmal startete Schwesig sehr konzentriert, ruhig und staatstragend. "Das Rennen ist eng, und die Lage ist auch ernst", sagte sie mit Blick auf die Umfragen. Recht schnell teilte die Ministerpräsidentin aber erneut verbal aus gegen den neben ihr stehenden Holm. Da er sein Bundestagsmandat nicht aufgegeben habe, behalte er ein "sicheres, gut bezahltes Rückfahrticket nach Berlin".
Schwesig warf der AfD vor, Frauenrechte infrage zu stellen. Holm wies das zurück und konterte: "Sie machen mit Angst Wahlkampf." Schwesig polarisiere und setze nun auf die "neue Masche Frauenrechte". Wichtig sei doch, dass Frauen sicher durch die Städte kämen. Er schilderte den Fall einer jungen Frau, die im Kino arbeite und nun jeden Tag von der Arbeit abgeholt werden müsse, weil man in Schwerin nicht mit der StraÃenbahn fahren könne.
In der wirtschaftspolitischen Debatte fuhr Holm aus der Haut: "Das regt mich jetzt wirklich auf, Frau Schwesig, dass Sie am laufenden Band lügen." Auch Schwesig sparte nicht mit Vorwürfen: Holm täusche und schüre Ãngste, sagte die SPD-Politikerin.
Wer sich als Sieger sieht
"Viel gelernt haben wir nicht", meinte der Greifswalder Politikwissenschaftler Jochen Müller zu dem Duell. "Häufig redeten die Kontrahenten aneinander vorbei und nicht alle der Wohltaten, die Holm wie Schwesig versprachen, sind wohl finanzierbar." Schwesig habe es aber geschafft, Holm in die Enge zu drängen und Themen zu setzen, während er sich habe rechtfertigen müssen.
"Es war ein Kampf mit harten Bandagen", sagte Holm im Anschluss an das Duell im NDR-Funkhaus in Schwerin. Er hoffe, dass er seinen Standpunkt habe deutlich machen können. Zugleich beklagte er - wie in der Sendung -, dass Schwesig Falschbehauptungen aufgestellt habe.
SPD-Generalsekretär Julian Barlen hingegen wertete das Duell als klaren Sieg für Schwesig. "Sie hat anhand klarer Fakten gezeigt, wofür sie verlässlich steht: eine starke Wirtschaft, sichere Arbeitsplätze mit guten Löhnen, Investitionen in Bildung und Familien und einen festen sozialen Zusammenhalt", sagte er über den Auftritt seiner Parteichefin./vsr/DP/zb
SCHWERIN (dpa-AFX) - Vier Tage vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern haben sich die SPD-Kandidatin Manuela Schwesig und ihr AfD-Kontrahent Leif-Erik Holm in einem Fernsehduell teils hitzige Wortgefechte geliefert. In der Livesendung des NDR warfen sich die amtierende Ministerpräsidentin und ihr Herausforderer gegenseitig Täuschung und Angstmache vor. Eine Stunde lang stritten sie unter anderem über Bildungspolitik, Wirtschaftsförderung, Migration und Gesundheitspolitik.
Ãhnlich klangen sie eigentlich nur in einem Punkt: "Ich möchte ganz klar stärkste Kraft werden", sagte Schwesig. Und Holm: "Wir möchten stärkste Kraft werden."
Die Ausgangslage
Der 56-jährige Holm fordert Schwesig nicht nur im Rennen um das Amt des Ministerpräsidenten heraus, sondern auch in ihrem Wahlkreis Schwerin I. Schwesig, 52, ist seit 2017 Regierungschefin des Bundeslands. In Umfragen liegt seit Monaten die AfD vorn, doch Schwesigs SPD hat Boden gutgemacht. In einer Insa-Umfrage im Auftrag der "Bild"-Zeitung kam die AfD zuletzt auf 37 Prozent, die SPD auf 35. Gewählt wird am Sonntag.
Die Topthemen
Das TV-Duell startete mit dem zentralen Thema des Wahlkampfs und der Landespolitik: Bildung. Holm kritisierte den häufigen Unterrichtsausfall und kündigte an, 400 Lehrer aus Behörden in den Schuldienst zu versetzen. Schwesig räumte ein, dass auch sie mit dem Unterrichtsausfall unzufrieden sei. Dafür lobte sie sich selbst noch einmal für die Beitragsfreiheit in Kitas.
Weiter ging es mit Fragen zur wirtschaftlichen Entwicklung. "Ich bin selber Ãkonom", warb Holm für sich. Sein Konzept: die Steuer- und Abgabenlast senken und Unternehmern den "roten Teppich ausrollen". Schwesig konterte kühl, das sei alles sehr allgemein, sie aber handle konkret. Ihr Beispiel: Konverterplattformen, in die Milliardenbeträge investiert würden.
Beim Thema Migration ging es um einen marokkanischen Bauzeichner, der so oft angefeindet wurde, dass er nun eine Auszeit nimmt - was seinem Arbeitgeber Sorge macht, einen guten Mitarbeiter zu verlieren. Schwesig warf der AfD "Hass und Hetze" vor. Holm konstatierte hingegen ein "Versagen der Politik" und sagte: "Das ist natürlich schade, dass es eine solche Stimmung gibt." Würden illegale Einwanderer konsequent abgeschoben, werde auch die Ausländerfeindlichkeit zurückgehen, sagte der AfD-Politiker.
Die Tonlage
Bei einem ersten TV-Duell der beiden vor einer Woche, veranstaltet damals von n-tv und dem Radiosender Ostseewelle, war Schwesig mit einer aggressiven Tonlage aufgefallen. Holm agierte defensiver und versuchte, sich als moderat darzustellen.
Diesmal startete Schwesig sehr konzentriert, ruhig und staatstragend. "Das Rennen ist eng, und die Lage ist auch ernst", sagte sie mit Blick auf die Umfragen. Recht schnell teilte die Ministerpräsidentin aber erneut verbal aus gegen den neben ihr stehenden Holm. Da er sein Bundestagsmandat nicht aufgegeben habe, behalte er ein "sicheres, gut bezahltes Rückfahrticket nach Berlin".
Schwesig warf der AfD vor, Frauenrechte infrage zu stellen. Holm wies das zurück und konterte: "Sie machen mit Angst Wahlkampf." Schwesig polarisiere und setze nun auf die "neue Masche Frauenrechte". Wichtig sei doch, dass Frauen sicher durch die Städte kämen. Er schilderte den Fall einer jungen Frau, die im Kino arbeite und nun jeden Tag von der Arbeit abgeholt werden müsse, weil man in Schwerin nicht mit der StraÃenbahn fahren könne.
In der wirtschaftspolitischen Debatte fuhr Holm aus der Haut: "Das regt mich jetzt wirklich auf, Frau Schwesig, dass Sie am laufenden Band lügen." Auch Schwesig sparte nicht mit Vorwürfen: Holm täusche und schüre Ãngste, sagte die SPD-Politikerin.
Wer sich als Sieger sieht
"Viel gelernt haben wir nicht", meinte der Greifswalder Politikwissenschaftler Jochen Müller zu dem Duell. "Häufig redeten die Kontrahenten aneinander vorbei und nicht alle der Wohltaten, die Holm wie Schwesig versprachen, sind wohl finanzierbar." Schwesig habe es aber geschafft, Holm in die Enge zu drängen und Themen zu setzen, während er sich habe rechtfertigen müssen.
"Es war ein Kampf mit harten Bandagen", sagte Holm im Anschluss an das Duell im NDR-Funkhaus in Schwerin. Er hoffe, dass er seinen Standpunkt habe deutlich machen können. Zugleich beklagte er - wie in der Sendung -, dass Schwesig Falschbehauptungen aufgestellt habe.
SPD-Generalsekretär Julian Barlen hingegen wertete das Duell als klaren Sieg für Schwesig. "Sie hat anhand klarer Fakten gezeigt, wofür sie verlässlich steht: eine starke Wirtschaft, sichere Arbeitsplätze mit guten Löhnen, Investitionen in Bildung und Familien und einen festen sozialen Zusammenhalt", sagte er über den Auftritt seiner Parteichefin./vsr/DP/zb