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ROUNDUP: Chefwechsel bei Fresenius Medical Care - Aktie unter Druck

BAD HOMBURG (dpa-AFX) - Überraschender Wechsel an der Spitze von Fresenius Medical Care (FMC) : Nach knapp vier Jahren als Vorstandschefin muss Helen Giza ihren Posten räumen und scheidet in Kürze aus dem Dialysekonzern aus. Ihr nachfolgen wird bereits am kommenden Montag (12. Oktober) Shervin Korangy. Der 51-jährige Manager saß seit 2023 im Aufsichtsrat und ist von dem Gremium einstimmig als neuer Konzernlenker bestellt worden, wie FMC am Vorabend mitteilte. Sein Mandat im Aufsichtsrat hat er nun niedergelegt. An der Börse wurden die Anleger von der Personalrochade kalt erwischt, das Papier rutschte am Donnerstag weiter ab.

Die Aktie sank um 1,8 Prozent auf 36,73 Euro, nachdem sie bereits am Vorabend um fast sieben Prozent tiefer geschlossen hatte, als FMC den Wechsel veröffentlicht hatte. Damit ist das Papier zurück auf dem Niveau von Anfang Juni. Sowohl die Nachricht als auch deren Zeitpunkt hätten überrascht, schrieb Analyst David Adlington von der US-Bank JPMorgan. Schließlich habe der Dialysekonzern gerade ein Quartal beendet, das als schwierig befürchtet worden sei.

Genaue Gründe für die Personalie nannte FMC in seiner Meldung nicht. Presseberichten zufolge erfolgt Gizas Abgang jedoch nicht im gegenseitigen Einvernehmen. Dem Aufsichtsrat fehlten offenbar eindeutige Perspektiven und eine gute Strategie. Giza habe "keine neuen Ideen, keine Vision" gehabt und "Sparzwang" reiche nicht, sagte die stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtsgremiums und Betriebsrätin Stefanie Balling der Nachrichtenagentur Reuters. Das "Handelsblatt" schrieb unter Berufung auf Unternehmenskreise, Gizas auf dem letzten Kapitalmarkttag präsentierte Strategie habe nicht "gezündet". Zuletzt sei der Konzern gegenüber dem Konkurrenten DaVita ins Hintertreffen geraten.

Giza war 2019 zunächst als Finanzvorständin zu FMC gekommen, bevor sie im Dezember 2022 auf den Posten der Vorstandschefin wechselte. Nach mehreren Gewinnwarnungen des Konzerns in der Corona-Zeit hatte sie kurz nach ihrem Amtsantritt als Konzernlenkerin ein Spar- und Restrukturierungsprogramm angestoßen: Bis 2027 sollen ein Stellenabbau, Klinikschließungen und Teilverkäufe Einsparungen von insgesamt 1,2 Milliarden Euro bringen.

In den USA kämpft FMC jedoch noch immer mit einer hohen Sterblichkeit unter den Patienten und einem mauen Wachstum bei seinen Dialysebehandlungen, was dem Konzern viel Kritik von Investoren einbrachte. Um die Sterblichkeit zu senken, setzte Giza zuletzt als Teil ihrer neuen Wachstumsstrategie auf die großflächige US-Einführung der sogenannten hochvolumigen Hämodiafiltration - ein deutlich schnelleres und effizienteres Blutwäscheverfahren.

Laut Veronika Dubajova von der Citigroup deuten die Aussagen des Aufsichtsrats nun darauf hin, dass sich der Fokus des Unternehmens weg von Kosteneffizienz und Margen und hin zu Umsatzwachstum und Reinvestitionen verschieben dürfte.

Die Ziele der Transformation der vergangenen Jahre seien weitgehend erfüllt, sagte Aufsichtsratschef Michael Sen, der zugleich Chef des Großaktionärs Fresenius ist, laut Mitteilung. "In der nächsten Wachstumsphase wird das Unternehmen von einem anderen Führungsprofil profitieren."

Richten soll es also der US-Amerikaner Korangy, und er bringt dabei reichlich Erfahrung für seinen neuen Job mit. Der Manager war fast ein Jahrzehnt beim Medizintechnikunternehmen BVI Medical und entwickelte es zu einer weltweit führenden Plattform im Bereich der Augenchirurgie mit Produkten in fast 90 Ländern. Zuvor arbeitete er beim Schweizer Pharmakonzern Novartis in verschiedenen internationalen Geschäftsleitungs- und Vertriebsfunktionen sowie als globaler Finanzchef. Seine Karriere begann er bei der Investmentgesellschaft Blackstone , dort war er mehr als 14 Jahre tätig.

Gizas Vertrag wäre regulär noch bis 2027 gelaufen. In der Mitteilung sprach sie vom "richtigen Zeitpunkt", die Verantwortung zu übergeben. Sie hinterlasse ein "resilienteres" Unternehmen mit verbessertem Portfolio, effizienteren Strukturen und höherer Profitabilität. Das laufende Jahr 2026 hatte die Managerin aber als Übergangsjahr bezeichnet. Dabei hatte sie auch einen deutlichen Ergebnisrückgang nicht ausgeschlossen./tav/men/stk