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ROUNDUP/Aktien Frankfurt Schluss: Dax stabilisiert sich - Commerzbank im Fokus

FRANKFURT (dpa-AFX) - Nach den jüngsten Verlusten im Zuge des Iran-Krieges hat sich der deutsche Aktienmarkt am Montag stabilisiert. Die Anleger reagierten erleichtert darauf, dass die Ölpreise wieder etwas nachgaben. "Die Anleger setzen auf eine Intervention der USA an den Energiemärkten", schrieb Marktanalyst Andreas Lipkow vom Handelshaus CMC Markets. Portfolio-Manager Thomas Altmann von QC Partners erklärte, dass dem Dax derzeit ein Eigenleben fehle. Der Ölpreis und die Reaktionen an den anderen Börsen darauf blieben weltweit die Taktgeber.

Der deutsche Leitindex legte nach einem verhaltenen Handelsstart letztlich um 0,50 Prozent auf 23.564,01 Punkte zu. Im Rampenlicht stand hierzulande vor allem die Commerzbank . Die italienische Großbank Unicredit machte einen Schachzug, indem sie für das zweitgrößte deutsche Geldinstitut ein taktisches Übernahmeangebot vorlegte.

Im Großen ging der Blick der Anleger weiter gen Nahost: Zuletzt hat US-Präsident Donald Trump von Nato-Verbündeten Unterstützung bei der Sicherung von Öltransporten in der wichtigen Straße von Hormus am Persischen Golf gefordert. Der Schiffsverkehr in der für den internationalen Transport von Öl und Flüssiggas wichtigen Meerenge ist wegen des Kriegs stark beeinträchtigt, wobei es am Wochenende mehreren Tankern gelungen war, das Nadelöhr zu passieren.

Gleichwohl blieb Lipkow skeptisch: "Der Krieg im Nahen Osten bleibt weiterhin das dominierende Thema und straft mit jeder neuen Kriegswoche all diejenigen Lügen, die von einem kurzen und einfachen Militärschlag ausgegangen sind." Die Energiepreise könnten so zu einem echten Problem werden, das sich erst in den kommenden Monaten so richtig entfalten dürfte.

Die Folgen würden sowohl direkt über sinkende Margen bei den Unternehmen als auch über anziehende Inflationstendenzen und daraus folgende Konsumzurückhaltung spürbar werden, schrieb Lipkow. Die in dieser Woche anstehenden Sitzungen und Zinsentscheidungen der Notenbanken in den USA, der Euroregion, in England und Japan dürften daher besonders stark beachtet werden.

Der MDax der mittelgroßen Werte beendete den Tag 0,46 Prozent höher auf 28.951,70 Zähler. Europaweit gab es ebenfalls leichte Erholungsgewinne: Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx gewann 0,39 Prozent auf 5.739,01 Punkte und auch die Börsen in London und Zürich stiegen moderat. In den USA rückte der Wall-Street-Index Dow Jones Industrial zum europäischen Börsenschluss um 0,7 Prozent vor. Der technologielastige Auswahlindex Nasdaq 100 legte noch etwas deutlicher zu.

Mit plus 8,6 Prozent setzten sich die Commerzbank-Papiere an die Dax-Spitze. Die Unicredit bietet als bereits größte Anteilseignerin für die restlichen Aktien jeweils 0,485 neue eigene Papiere, was im Vergleich zum Schlusskurs am Freitag 30,80 Euro je Commerzbank-Aktie wären. Citigroup-Analyst Andrew Coombs sprach von einem "klugen Schachzug". Das Ziel der Unicredit, die bereits knapp unter 30 Prozent der Anteile hält und bei Überschreiten dieser Schwelle ein verpflichtendes Übernahmeangebot vorlegen müsste, sei nämlich vorerst nicht die vollständige Kontrolle, sondern Flexibilität für die Zukunft. Mit dem aktuellen Gebot könnte die Unicredit nun die Beteiligung am freien Markt zunächst weiter aufstocken.

Bayer legten an zweiter Stelle im Dax um 3,8 Prozent zu und profitierten von einer Kaufempfehlung der Bank UBS. Mit Blick auf die Lösung der Glyphosatprobleme sieht Analyst Matthew Weston inzwischen mehr Chancen als Risiken. Zudem spreche die jüngste Kursschwäche für einen Kauf der Aktie. Im Pharmabereich ist Weston außerdem optimistisch für die wichtigsten Wachstumstreiber.

An der MDax-Spitze zogen Hensoldt um 5,4 Prozent an, während K+S am MDax-Ende um 5,4 Prozent nachgaben. Beide reagierten auf Analystenkommentare, die sich auch mit den Auswirkungen des Iran-Kriegs beschäftigten. So gaben die Experten von Kepler Cheuvreux ihre negative Bewertung des Radarspezialisten Hensoldt auf und verwiesen darauf, dass der Krieg in Nahost die Nachfrage nach Luftverteidigung anheize. Dagegen wandelten die Experten der Scotiabank ihre neutrale Bewertung für den Düngemittelhersteller K+S in eine negative um. Der Fokus liege zu sehr auf kurzfristiger, opportunistischer Preis- und Margenausweitung und zu wenig darauf, ob die Landwirte es sich leisten könnten, hier mitzuhalten, hieß es. Zudem verwiesen sie auf den starken Kursanstieg der K+S-Aktie seit Jahresbeginn./ck/stw

--- Von Claudia Müller, dpa-AFX ---