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ROUNDUP 2: Hoher Kupferpreis treibt Aurubis an - Verzögerungen im neuen US-Werk

(Neu: längerer Hochlauf des neuen US-Werks mit Folgen für die Gewinnentwicklung.)

HAMBURG (dpa-AFX) - Mit Rückenwind durch hohe Preise für Kupfer und Schwefelsäure blickt Aurubis etwas optimistischer auf das laufende Geschäftsjahr. Das überrascht allerdings nicht. Für den Aktienkurs ging es am Donnerstagvormittag deutlich nach unten; kurzfristig orientierte Anleger könnten nach den jüngsten Kursgewinnen erst einmal Kasse gemacht haben. Dabei könnte auch die Verzögerung des Hochlaufens der Produktion im neuen US-Werk eine Rolle spielen.

Branchenexperte Stefan Augustin von Warburg Research lobte zwar die jüngste Geschäftsentwicklung in einer ersten Reaktion, allerdings sei die verlängerte Hochlaufphase im US-amerikanischen Richmond eine Enttäuschung. Aurubis hatte die Produktion in dem Recyclingwerk in Augusta (Richmond County) im US-Bundesstaat Georgia vergangenen September aufgenommen, wie üblich erfolgt dies schrittweise.

Wie die Hamburger nun am Donnerstag mitteilten, verlängert sich der Hochlauf bei wesentlichen Anlagen um jeweils rund sechs Monate. "Aus heutiger Sicht wird der Hochlauf von Phase 1 im Geschäftsjahr 2026/27 und von Phase 2 im Geschäftsjahr 2027/28 abgeschlossen sein", hieß es. Das wird sich auch auf die Gewinnentwicklung auswirken; das "mittelfristige Ergebnisprofil" werde sich um ein Jahr verschieben. Zudem wichen Qualität und Mengen im Recyclingmarkt von den ursprünglichen Plänen ab.

Alles in allem werde zwar nach vollständigem Hochlauf mittelfristig ein jährlicher operativer Gewinnbeitrag (Ebitda) im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich erwartet, "wenngleich gedämpft im Vergleich zum ursprünglichen Ziel".

Bei einem Umsatzwachstum um 40 Prozent auf 6,45 Milliarden Euro stieg das operative Vorsteuerergebnis im dritten Geschäftsquartal im Jahresvergleich um rund 160 Prozent auf 149 Millionen Euro, wie die Kupferhütte am Donnerstag mitteilte. Unter dem Strich hat sich der Überschuss mit 114 Millionen Euro fast verdreifacht.

Neben den hohen Preisen für Kupfer, das im Zuge des KI-Booms, der Elektromobilität und des Ausbaus von Wind- und Solarstroms stark gefragt ist, kamen dem Unternehmen auch hohe Preise für Schwefelsäure entgegen. Dieses Nebenprodukt der Kupferproduktion findet etwa in der Düngemittelproduktion Verwendung. Auch stieg die produzierte Menge an Schwefelsäure, nachdem vor einem Jahr im bulgarischen Werk in Pirdop wegen eines Wartungsstillstands weniger hergestellt wurde. Diese Entwicklungen halfen, weiterhin rückläufige Schmelz- und Raffinierlöhne zu kompensieren, die Kupferhütten für die Verarbeitung von Rohstoffen in reines Kupfer erhalten.

Für die ersten neun Monate des Jahres steht nun ein operativer Vorsteuergewinn von 374 Millionen Euro in den Büchern, was etwas mehr ist als von Analysten im Durchschnitt erwartet. Der Vorstand sieht diesen Gewinn im bis Ende September laufenden Geschäftsjahr jetzt am oberen Ende der bestätigten Prognosespanne von 425 bis 525 Millionen Euro. Analysten haben im Durchschnitt bereits 525 Millionen auf dem Zettel.

Für Analyst Dirk Schlamp von der DZ Bank bestätigen die Quartalszahlen "die operative Widerstandsfähigkeit von Aurubis". Trotz der sehr niedrigen Konzentrat-Schmelzlöhne profitiere der Konzern von seinem breiten Multimetallgeschäft, hohen Edelmetall- und Schwefelsäureerlösen sowie einer stabilen operativen Entwicklung. Allerdings bleibe zusätzliche kurzfristige Ergebnisfantasie über das obere Ende der Prognose hinaus angesichts der bereits hohen Markterwartungen begrenzt.

An der Börse geriet der Aktienkurs von Aurubis am Donnerstag deutlich unter Druck, konnte sich aber an der 21-Tage-Linie fangen. Dieser technische Indikator für den kurzfristigen Trend ist noch immer nach oben gerichtet. Zuletzt notierten die Papiere mit rund 184,60 Euro noch 3,7 Prozent im Minus. Für 2026 ergibt sich damit aber immer noch ein Plus von fast 50 Prozent, wenngleich der Kurs zuletzt etwas vom im Juni erreichten Rekordhoch von 225 Euro zurückgekommen und dabei bis Anfang Juli auf gut 163 Euro gefallen war. Seither zog er wieder an./mis/mne/jha/jsl/men