ROUNDUP 2/300 Millionen Euro Schaden: GroÃrazzia wegen Mogel-Handys
(Neu: Details zu Anführern und MaÃnahme in Krefeld)
LUXEMBURG/KREFELD (dpa-AFX) - Wegen des Verdachts auf millionenfachen Betrug mit online verkauften Handys führen Fahnder eine europaweit angelegte Razzia mit rund 160 Durchsuchungen in 19 Ländern durch, auch in Deutschland. Verbraucherinnen und Verbrauchern in der EU entstand schätzungsweise ein Schaden von mindestens 300 Millionen Euro, wie die Europäische Staatsanwaltschaft (EUStA) in Luxemburg mitteilte. Es handelt sich demnach um mindestens eine Million verkaufte Handys.
Den Betroffenen seien aus gebrauchten Teilen zusammengesetzte Geräte über das Internet als Neuware verkauft worden. Der Schaden entspricht dem Unterschied zwischen dem gezahlten Preis und dem Wert der Handys.
Wie funktioniert die Masche?
Die Geschäftspraxis, die bis zuletzt weiterlief, soll den Ermittelnden zufolge so aussehen: In Hongkong und den Vereinigten Arabischen Emiraten werden zunächst Mobiltelefone aus gebrauchten Bauteilen zusammengebaut. Dann werden die Geräte gereinigt und neu verpackt in die Niederlande verschickt. Von dort gelangen sie zu Lagern in Deutschland.
Auf Online-Marktplätzen können sie von Konsumentinnen und Konsumenten in der gesamten EU gekauft werden. Mehr als eine Million Handys "führender Hersteller" sollen seit 2018 auf diese Weise vertrieben worden sein. Es handele sich um einen Top-Anbieter für Handys im Internet, hieà es seitens der EUStA. Welche Handymarken von dem mutmaÃlichen Betrug betroffen waren, wollte die Behörde nicht sagen.
Ein Schwerpunkt der MaÃnahmen lag in Nordrhein-Westfalen. In Krefeld wurde nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur eine Lagerhalle in einem Gewerbegebiet durchsucht, in der sich nach Schätzungen des dpa-Reporters etwa 10.000 bis 15.000 Handys befanden. Dabei handelte es sich laut dem dpa-Reporter vor allem um Samsung-Geräte.
Verdacht, betroffen zu sein? Das können Käufer tun
Wer den Verdacht hat, Opfer der Täuschungsmasche geworden zu sein, kann sich an eine spezielle E-Mail-Adresse wenden, wie das Zollfahndungsamt Essen mitteilte. AuÃerdem haben Verbraucherinnen und Verbraucher die Option, die Geräte-ID beim Hersteller überprüfen zu lassen, um herauszufinden, ob es sich um Neuware handelt.
Die Kriminellen sollen zudem über Briefkastenfirmen mit Sitz in EU-Ländern und der Schweiz eine Steuerregelung missbraucht haben. Dadurch sei in mehreren EU-Staaten ein Mehrwertsteuerausfall in Höhe von 30 Millionen Euro entstanden, davon mindestens 25 Millionen Euro in Deutschland, teilte die Behörde weiter mit.
Die Firmen versteuerten demnach unrechtmäÃig nur die Gewinnmarge, also die Differenz zwischen dem Einkaufspreis des Artikels und dem Verkaufspreis. Diese Steuerregelung gilt nur für weiterverkaufte Waren, für die bereits Mehrwertsteuer entrichtet wurde. Da die Geräte jedoch als Neuware verkauft wurden, wäre die Steuer auf den gesamten Verkaufspreis zu berechnen.
Durchsuchung von Lagerhalle in Krefeld
In Krefeld scannten die Beamten mit mehreren ArbeitsstraÃen die Handys Gerät für Gerät, um die Seriennummern zu erfassen. Vor der Halle war ein Ãberseecontainer aufgebaut, um die Handys später abzutransportieren.
Festnahmen am Wochenende
Tatverdächtige seien nicht mehr vor Ort, hieà es. Bereits am Samstag wurden der EUStA zufolge sieben Verdächtige festgenommen - vier in Deutschland, zwei in Ãsterreich und eine Person in Spanien. Darunter sind demnach auch die zwei mutmaÃlichen Anführer der Organisation. Sie stammen aus dem Raum Düsseldorf.
Die Halle in Krefeld wurde nach dpa-Informationen seitdem von Einsatzkräften beschattet, bis die Fahnder am Dienstag zuschlugen. Grund für die Festnahmen waren nach demnach Erkenntnisse aus der Telefonüberwachung der Verdächtigen: Demnach wollten zwei Beteiligte zu einer längeren Dienstreise ins Ausland. Dem kamen die Kräfte zuvor.
Insgesamt sind nach Angaben der EUStA etwa 1.770 Steuer-, Zoll- und Polizeifahnder an der europaweiten Aktion beteiligt. Die MaÃnahmen finden neben Deutschland in Ãsterreich, Belgien, Bulgarien, Kroatien, Zypern, Estland, Finnland, Italien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Polen, Portugal, Rumänien, der Slowakei, Spanien, der Schweiz und den Niederlanden statt. Im Vereinigten Königreich werde zudem eine Zeugin vernommen. Eine groÃe Anzahl digitaler und analoger Beweismittel sei beschlagnahmt und gesichert worden, hieà es.
Koordinierte Aktion
Die EUStA koordinierte die MaÃnahmen gemeinsam mit dem Zollfahndungsamt Essen, dem Landesamt zur Bekämpfung der Finanzkriminalität Nordrhein-Westfalen (LBF NRW) und der Polizei Düsseldorf. Die Behörden ermitteln in dem Fall auch wegen Einfuhrschmuggels, VerstoÃes gegen das Markenrecht und der Bildung einer kriminellen Vereinigung.
Die EUStA (auf Englisch: Eppo) verfolgt Delikte, die die finanziellen Interessen der EU betreffen. Dazu gehört Mehrwertsteuerbetrug, aber auch etwa der Missbrauch von Fördergeldern, Geldwäsche oder Korruption./vni/DP/mis
(Neu: Details zu Anführern und MaÃnahme in Krefeld)
LUXEMBURG/KREFELD (dpa-AFX) - Wegen des Verdachts auf millionenfachen Betrug mit online verkauften Handys führen Fahnder eine europaweit angelegte Razzia mit rund 160 Durchsuchungen in 19 Ländern durch, auch in Deutschland. Verbraucherinnen und Verbrauchern in der EU entstand schätzungsweise ein Schaden von mindestens 300 Millionen Euro, wie die Europäische Staatsanwaltschaft (EUStA) in Luxemburg mitteilte. Es handelt sich demnach um mindestens eine Million verkaufte Handys.
Den Betroffenen seien aus gebrauchten Teilen zusammengesetzte Geräte über das Internet als Neuware verkauft worden. Der Schaden entspricht dem Unterschied zwischen dem gezahlten Preis und dem Wert der Handys.
Wie funktioniert die Masche?
Die Geschäftspraxis, die bis zuletzt weiterlief, soll den Ermittelnden zufolge so aussehen: In Hongkong und den Vereinigten Arabischen Emiraten werden zunächst Mobiltelefone aus gebrauchten Bauteilen zusammengebaut. Dann werden die Geräte gereinigt und neu verpackt in die Niederlande verschickt. Von dort gelangen sie zu Lagern in Deutschland.
Auf Online-Marktplätzen können sie von Konsumentinnen und Konsumenten in der gesamten EU gekauft werden. Mehr als eine Million Handys "führender Hersteller" sollen seit 2018 auf diese Weise vertrieben worden sein. Es handele sich um einen Top-Anbieter für Handys im Internet, hieà es seitens der EUStA. Welche Handymarken von dem mutmaÃlichen Betrug betroffen waren, wollte die Behörde nicht sagen.
Ein Schwerpunkt der MaÃnahmen lag in Nordrhein-Westfalen. In Krefeld wurde nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur eine Lagerhalle in einem Gewerbegebiet durchsucht, in der sich nach Schätzungen des dpa-Reporters etwa 10.000 bis 15.000 Handys befanden. Dabei handelte es sich laut dem dpa-Reporter vor allem um Samsung
Verdacht, betroffen zu sein? Das können Käufer tun
Wer den Verdacht hat, Opfer der Täuschungsmasche geworden zu sein, kann sich an eine spezielle E-Mail-Adresse wenden, wie das Zollfahndungsamt Essen mitteilte. AuÃerdem haben Verbraucherinnen und Verbraucher die Option, die Geräte-ID beim Hersteller überprüfen zu lassen, um herauszufinden, ob es sich um Neuware handelt.
Die Kriminellen sollen zudem über Briefkastenfirmen mit Sitz in EU-Ländern und der Schweiz eine Steuerregelung missbraucht haben. Dadurch sei in mehreren EU-Staaten ein Mehrwertsteuerausfall in Höhe von 30 Millionen Euro entstanden, davon mindestens 25 Millionen Euro in Deutschland, teilte die Behörde weiter mit.
Die Firmen versteuerten demnach unrechtmäÃig nur die Gewinnmarge, also die Differenz zwischen dem Einkaufspreis des Artikels und dem Verkaufspreis. Diese Steuerregelung gilt nur für weiterverkaufte Waren, für die bereits Mehrwertsteuer entrichtet wurde. Da die Geräte jedoch als Neuware verkauft wurden, wäre die Steuer auf den gesamten Verkaufspreis zu berechnen.
Durchsuchung von Lagerhalle in Krefeld
In Krefeld scannten die Beamten mit mehreren ArbeitsstraÃen die Handys Gerät für Gerät, um die Seriennummern zu erfassen. Vor der Halle war ein Ãberseecontainer aufgebaut, um die Handys später abzutransportieren.
Festnahmen am Wochenende
Tatverdächtige seien nicht mehr vor Ort, hieà es. Bereits am Samstag wurden der EUStA zufolge sieben Verdächtige festgenommen - vier in Deutschland, zwei in Ãsterreich und eine Person in Spanien. Darunter sind demnach auch die zwei mutmaÃlichen Anführer der Organisation. Sie stammen aus dem Raum Düsseldorf.
Die Halle in Krefeld wurde nach dpa-Informationen seitdem von Einsatzkräften beschattet, bis die Fahnder am Dienstag zuschlugen. Grund für die Festnahmen waren nach demnach Erkenntnisse aus der Telefonüberwachung der Verdächtigen: Demnach wollten zwei Beteiligte zu einer längeren Dienstreise ins Ausland. Dem kamen die Kräfte zuvor.
Insgesamt sind nach Angaben der EUStA etwa 1.770 Steuer-, Zoll- und Polizeifahnder an der europaweiten Aktion beteiligt. Die MaÃnahmen finden neben Deutschland in Ãsterreich, Belgien, Bulgarien, Kroatien, Zypern, Estland, Finnland, Italien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Polen, Portugal, Rumänien, der Slowakei, Spanien, der Schweiz und den Niederlanden statt. Im Vereinigten Königreich werde zudem eine Zeugin vernommen. Eine groÃe Anzahl digitaler und analoger Beweismittel sei beschlagnahmt und gesichert worden, hieà es.
Koordinierte Aktion
Die EUStA koordinierte die MaÃnahmen gemeinsam mit dem Zollfahndungsamt Essen, dem Landesamt zur Bekämpfung der Finanzkriminalität Nordrhein-Westfalen (LBF NRW) und der Polizei Düsseldorf. Die Behörden ermitteln in dem Fall auch wegen Einfuhrschmuggels, VerstoÃes gegen das Markenrecht und der Bildung einer kriminellen Vereinigung.
Die EUStA (auf Englisch: Eppo) verfolgt Delikte, die die finanziellen Interessen der EU betreffen. Dazu gehört Mehrwertsteuerbetrug, aber auch etwa der Missbrauch von Fördergeldern, Geldwäsche oder Korruption./vni/DP/mis