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Presserat: Erstmals über 100 öffentliche Rügen in einem Jahr

BERLIN (dpa-AFX) - Der Deutsche Presserat hat erstmals seit seiner Gründung in einem Jahr mehr als 100 öffentliche Rügen wegen besonders schwerer Verstöße gegen Redaktionen ausgesprochen. 102-mal sei die strengste Sanktion verhängt und damit die bisherigen Höchstwerte aus den Jahren 2023 (73 Rügen) und 2024 (86 Rügen) übertroffen worden, teilte der Presserat mit. Am häufigsten seien gravierende Verstöße gegen die journalistische Sorgfaltspflicht beanstandet worden. Direkt dahinter lagen Verletzungen des Persönlichkeitsschutzes.

Nach Angaben des Presserats gingen 2025 vor allem Beschwerden zur Berichterstattung über den Nahostkonflikt ein. Dabei sei es sowohl um die Kriegs- und Politikberichterstattung als auch um Beiträge über Demonstrationen, innerdeutsche Debatten und gesellschaftliche Spannungen gegangen.

Pressekodex als Grundlage der Bewertung

Der Presserat betonte in dem Bericht, dass er sich bei der Bewertung solcher Beschwerden ausschließlich am Pressekodex orientiere. "Politische Positionen oder weltanschauliche Haltungen der jeweiligen Redaktion spielen für die presseethische Bewertung grundsätzlich keine Rolle." Der Pressekodex schütze die Meinungsfreiheit in besonderem Maße, finde aber Grenzen in Falschinformationen, diskriminierenden Darstellungen oder Schmähkritik.

Der Presserat ist die freiwillige Selbstkontrolle der Presse - also von Berichten in Zeitungen, Zeitschriften und Online-Medien. Eine öffentliche Rüge bedeutet, dass das entsprechende Medium diese transparent für die Leser veröffentlichen muss. Immer wieder hatte es in der Vergangenheit Kritik gegeben, wenn Pressehäuser dieser Vorgabe nicht gefolgt waren./svv/DP/mis